Heute können Sie frei durch Galata spazieren, in jede beliebige Straße einbiegen und spät abends noch auf einen Kaffee ausgehen. Doch vor gerade einmal eineinhalb Jahrhunderten war das nicht möglich: Galata war von Stadtmauern umgeben, und seine Tore wurden nachts geschlossen. Der Name unseres Hotels — La Porta, also „das Tor“ — geht auf diese Geschichte zurück. Und das Schönste daran: Ihre Spuren sind noch heute sichtbar, sogar vom Dach unseres Hotels aus.
Ein Viertel, dessen Tore nachts geschlossen wurden
Die Mauern aus der genuesischen Zeit bildeten eine echte Grenze um Galata. Das Gebiet innerhalb des Turms und der Mauern hieß Galata, der höher gelegene Teil Pera; der Übergang zwischen diesen beiden Welten erfolgte durch diese Tore. Diese Ordnung bestand viel länger, als man vermuten würde: selbst 1853 wurden die Stadttore nachts noch geschlossen, ganz wie in der genuesischen Zeit. Damals war es zudem verboten, nach Sonnenuntergang ohne Laterne auf den Straßen unterwegs zu sein.
Ein „Tor“ war in Galata also nicht bloß ein architektonisches Detail, sondern eine Institution, die den Rhythmus des Alltags bestimmte. War das Tor offen, war die Stadt offen; war es geschlossen, war der Tag zu Ende.
Warum wurden die Stadtmauern abgerissen?
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mussten Galata und Pera miteinander verbunden und das Viertel in die wachsende Stadt eingegliedert werden. Kommunalreformen beleuchteten die Straßen, erschlossen Wege, führten den Tünel durch den Hügel — und die historischen Mauern zahlten den Preis für diese Projekte. Mit ihrem Abriss sollte sowohl die Verbindung zum übrigen Stadtgebiet hergestellt als auch durch den Verkauf der frei gewordenen Flächen Einnahmen erzielt werden.
Was ist geblieben? Zunächst die Namen: Straßennamen wie Büyük Hendek, Küçük Hendek und Lüleci Hendek erinnern an die Gräben der Stadtmauern. Dann die Steine: Überreste von Mauern und kleinen Türmen, meist als Ruinen, an verschiedenen Orten des Viertels. Und Yanıkkapı mit seiner siebenhundert Jahre alten Inschrift — das letzte erhaltene Tor, von dem auch der Name unserer Marke stammt.
Heute denkt man bei Galata an einen einzigen Turm; dabei schützten entlang der Stadtmauern einst zahlreiche Türme die Stadt. Nur drei haben die Gegenwart aufrecht erreicht: Auf einem wurde ein Haus errichtet, in einem anderen war jahrelang eine Eisenwerkstatt tätig. Die kleinen Turmruinen, die von der Terrasse der La Porta zu sehen sind, sind Spuren dieses Verteidigungsnetzes, das einst das gesamte Viertel umschloss.
Geschichte mit Blick vom Dach
Hier beginnt die besondere Seite der La Porta. Von der Terrasse in der obersten Etage des Hotels aus sind der Galataturm und das Goldene Horn in einem einzigen Bild zu sehen — zwei Wahrzeichen Istanbuls auf einen Blick. Aufmerksame Gäste entdecken jedoch noch ein drittes Element: kleine Turm- und Mauerreste, die als Ruinen in der Aussicht liegen.
Das ist ein ungewöhnliches Privileg. Die meisten Ausblicke zeigen die Stadt von heute; dieser zeigt ihre Schichten zugleich: die Überreste von Verteidigungsanlagen aus dem 14. Jahrhundert, den 1348 gemeinsam mit den genuesischen Mauern errichteten Turm und dahinter das Wasser des Goldenen Horns. Während Sie Ihren Morgenkaffee genießen, lesen Sie gewissermaßen den siebenhundert Jahre alten Stadtplan Galatas.
Frühstück inmitten dieses Ausblicks
Für unsere Gäste der La Porta wird das Frühstück auf eben diesem Dach, im La Porta Roof, serviert: als offenes Buffet jeden Morgen von 07.00 bis 10.30 Uhr. In den ersten Stunden des Tages fällt das Licht seitlich auf den Turm, Fähren beginnen das noch ruhige Goldene Horn zu überqueren, und das Viertel erwacht langsam. Mit Blick auf Ruinen zu frühstücken mag anspruchsvoll klingen; doch in Galata ist Geschichte etwas ganz Alltägliches — sie geht in die Aussicht von Ihrem Frühstückstisch über.
Die Terrasse ist zudem nicht auf die Frühstückszeit beschränkt: Sie steht unseren Gästen den ganzen Tag über offen. So können Sie den Ausblick in drei unterschiedlichen Stimmungen erleben. Morgens kommt das Licht aus dem Osten und der Turm zeichnet sich scharf ab; am Nachmittag glitzert das Goldene Horn — die ruhigste Zeit, um nach einer Besichtigung die Füße auszuruhen; bei Sonnenuntergang sinkt das Licht, die Schatten der Ruinen werden länger und die Stadt färbt sich orange. Wir empfehlen, etwa eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang hinaufzugehen — dann zeigt sich Galata von seiner großzügigsten Seite.
Durch das Tor eintreten
Es hat einen besonderen Reiz, in einem Hotel zu übernachten, das nach einem Tor benannt ist: In einem Viertel, dessen Tore sich einst nachts schlossen, stehen Ihnen die Türen nun immer offen. Gehen Sie spazieren, verlieren Sie sich, kommen Sie spät in der Nacht zurück — die Mauern sind längst gefallen.
Quelle: „Barnathan Apartmanları“ (Çiğdem Oğuz, Nar Yatırım, 2016) und das Markenarchiv von Meroddi.



