In einem historischen Gebäude zu übernachten, bleibt oft eine abstrakte Aussage: Man sagt „1892 erbaut“, und der Gast nickt. Doch sobald man die Gesichter der Menschen sieht, die dieses Gebäude in Auftrag gaben, verändert sich alles. Im Zuge der Recherche zur Geschichte der Barnathan Apartments fand das Album einer über die ganze Welt verstreuten Familie wieder zusammen. Die folgenden Aufnahmen stammen aus diesem Album.
Die Familie
Nissim Barnathan und seine Kinder. Nissim (1827–1907), der als Familienoberhaupt galt, war Bankier und Eigentümer des Barnathan Han in Eminönü. Er hatte neun Kinder. Eine nach seinem Tod 1907 in einer Zeitung veröffentlichte Anzeige sprach von seinem Fleiß und seiner Aufgeschlossenheit trotz seiner tiefen Religiosität; er hatte seine Söhne und Neffen zur Ausbildung nach Europa geschickt.
Albert, Louise und Donna Barnathan. Alle drei wurden in Istanbul geboren. Die jüngste, Donna, wurde 1913 geboren — ein Detail, das uns zeigt, dass die Familie zu diesem Zeitpunkt noch in Istanbul lebte. Auf dem Foto ist an einem Strand jener Zeit mit seinen gestreiften Umkleidekabinen der Alltag des Istanbuler Bürgertums zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu sehen.
Stella und Moise Barnathan. Seit dem späten 19. Jahrhundert verstreute sich die Familie über einen Raum, der von Paris bis Nizza und von Buenos Aires bis Brasilien reichte. Diese Fotografien sind Spuren der Istanbuler Jahre vor dieser Zerstreuung. Wie viele europäische Familien erlebten auch die Barnathans ihren Anteil an den Tragödien des 20. Jahrhunderts; einige Familienmitglieder verloren in den Kriegsjahren ihr Leben. Beim Betrachten dieses Albums lohnt es sich, daran zu denken, dass hinter jedem festgehaltenen Gesicht ein solches Jahrhundert steht.
Die Praxis von Dr. Leon Barnathan in Nizza. Auf dem Schild an der Fassade ist der Familienname zu lesen. Der Name der Familie, die in Galata ein Apartmenthaus errichten ließ, begegnet uns einige Jahrzehnte später an der Tür eines Arztes in Frankreich — die schlichteste Zusammenfassung von Migration.
Dokumente
Auf Seide gezeichneter Plan, 15. Februar 1896. Das wertvollste Stück des Archivs. Dieser Plan, der sämtliche Details und Nutzungsbereiche des Gebäudes zeigt, wurde von dem Familienmitglied Francis Wacziarg nach Istanbul gebracht; seine Mutter hatte ihn sorgfältig aufbewahrt und ihm anvertraut. Die Unterschrift auf dem Plan gehört Charles Maruletto mit dem Titel „ingénieur“. Der Plan zeigt vier Eingänge — doch der Teil des Gebäudes, der zum Şahkulu Çıkmazı hin liegt, war 1896 noch nicht errichtet.
Handelsverzeichnisse, 1893–1898. Diese auf Französisch veröffentlichten Verzeichnisse führen die ersten Bewohner des Apartmenthauses Tür für Tür auf: einen Spiegelmacher, einen Arzt, Bankiers sowie Angestellte der Osmanischen Bank und der Orientbahnen. Heute liegt uns die 130 Jahre alte Namensliste jener Wohnungen vor, deren frühere Bewohner uns interessieren.
Versicherungskarten, 1906. Sie zeigen die Straße, wie sie damals aussah: auf der Seite von Tımarcı (früher Cerrahpaşa) einen Holzschuppen und ein Weinlokal, an der Ecke eine Apotheke und ein Lebensmittelgeschäft.
Warum veröffentlichen wir dies?
Weil dieses Gebäude nicht nur unser Betrieb ist, sondern die Erinnerung einer Familie. Während der Recherche teilten Familienmitglieder, die über die Welt verstreut leben — in Frankreich, den USA, Argentinien und Indien — ihre Dokumente, Fotografien und Erzählungen; das letzte in Istanbul lebende Mitglied empfing den Forschenden zu Hause und erzählte seine eigene Geschichte. Die daraus entstandene Studie dokumentierte auch, wie oft sich der Name des Gebäudes änderte und wie er schließlich zurückkehrte.
Dieses Archiv sichtbar zu machen, ist das Mindeste, was wir tun können. Restauriert wurde nicht nur Stein, sondern auch Erinnerung.
Bilder und Informationen: „Barnathan Apartmanları“ (Çiğdem Oğuz, Nar Yatırım, 2016). Das Buch können Sie an der Rezeption des Meroddi Barnathan einsehen.



