Wenn wir in einem historischen Gebäude übernachten, denken wir nur selten darüber nach, dass es nicht einfach von selbst dort entstanden ist. Doch hinter jedem restaurierten Bauwerk, das in Galata steht, verbirgt sich eine Geschichte aus Jahren, Genehmigungen, Meisterhandwerk und beharrlicher Geduld. Die von Barnathan dauerte zehn Jahre.
Beginn in Ruinen
Als die Barnathan Apartments 1892 und 1893 fertiggestellt wurden, zählten sie zu den anspruchsvollsten Bauten Galatas. Das 20. Jahrhundert ging jedoch nicht freundlich mit dem Gebäude um: Die Eigentümer wechselten, der Name wechselte, Wohnungen wurden zu Arbeitsstätten, und die unteren Etagen füllten sich mit Tischler- und Schreibwarenwerkstätten. Als wir es übernahmen, lag das Gebäude weitgehend in Ruinen.
Ein Bauwerk wie dieses zurückzubringen, ist etwas ganz anderes, als das Wort „Renovierung“ vermuten lässt. In einem hundert Jahre alten Gebäude bedarf jeder Eingriff der Genehmigung durch Denkmalschutzgremien; die ursprünglichen Materialien zu bestimmen, ist bereits eine eigene Recherche; und beim Abtragen jeder Schicht weiß man nie, was darunter zum Vorschein kommen wird. Der Prozess dauerte wesentlich länger als geplant — rund zehn Jahre.
Zweiundzwanzig Handwerker, vierzehn Monate: handgemalte Dekorationsmalerei
Die aufwendigste Arbeit am Gebäude waren die handgemalten Dekorationsmalereien, die seine Oberflächen von oben bis unten bedeckten. Dieses Handwerk lässt sich nicht maschinell ausführen: Die Motive werden von Hand, Schicht für Schicht und mit Geduld aufgetragen. An der Restaurierung der Dekorationsmalereien von Barnathan arbeiteten 22 Personen 14 Monate lang.
Denken Sie an diese Zahl: Fast anderthalb Jahre lang beschäftigten sich täglich mehr als zwanzig Handwerker ausschließlich mit Wand- und Deckendekorationen. Jede geschwungene Linie, die Sie heute in den Zimmern und auf den Treppenabsätzen sehen, entstand durch die Hand und den Pinsel eines Menschen.
Was unter den Böden zum Vorschein kam
Der unerwartetste Moment der Restaurierung ereignete sich beim Rückbau: Unter den Bodenbelägen und in verborgenen Ecken kamen alte Fotografien zum Vorschein. Aufnahmen, die Menschen hinterlassen hatten, die einst in dem Gebäude lebten — jahrelang hatten sie unter den Dielen gewartet, an einem Ort, von dem niemand wusste.
Diese Fotografien aufzubewahren oder in einer Kiste wegzuräumen, wäre nicht richtig gewesen. Auf unserer Eingangsebene haben wir ein kleines Album angelegt, um der Familie Barnathan, die das Gebäude errichtete, seinem Architekten Charles Maruletto und den anderen Familien, die hier lebten, zu gedenken. Am Eingang wartet noch eine weitere Überraschung: der originale Gebäudeplan, von Hand auf Seidenstoff gezeichnet — ein Dokument, das die Nachkommen der Familie über Generationen bewahrten, bevor es uns erreichte.
Welche Funktion hat das Gebäude heute?
Heute ist Barnathan ein vielschichtiger Ort: Im Erdgeschoss liegt Barnathan Garden mit seinem Garten und Blick auf den Galataturm, in den oberen Etagen befinden sich Unterkünfte, und ganz oben bietet Barnathan Roof Ausblicke auf den Bosporus, das Goldene Horn, den Turm und die historische Halbinsel. Mit anderen Worten: Das Gebäude funktioniert wieder wie einst — als Galata-Wohnhaus, oben belebt und im Erdgeschoss zum Viertel hin geöffnet.
Die Warteschlange
Am Eröffnungsabend bildete sich vor der Tür eine Warteschlange. Die Erschöpfung von zehn Jahren Arbeit war bei allen, die sie sahen, mit einem Mal vergessen.
Die Restaurierung eines Gebäudes endet nicht mit der Reparatur des Steins; sie endet damit, dass es wieder Teil des Stadtlebens wird. Wenn täglich Menschen durch die Tür von Barnathan ein- und ausgehen, kehrt das Gebäude wahrhaftig zurück.
Quelle: Meroddi-Archiv und „Barnathan Apartmanları“ (Çiğdem Oğuz, Nar Yatırım, 2016).



