Das Wohnungsleben, das wir heute mit Istanbul verbinden — getrennte Wohnungen unter einem Dach, Treppenabsätze, Nachbarn Tür an Tür — verbreitete sich von einem einzigen Viertel aus in der Stadt: Galata. Die historischen Gebäude, in denen sich die Meroddi Hotels befinden, sind Kinder dieser ersten Generation. Doch warum gerade hier? Die Antwort liegt am Schnittpunkt eines Brandes, niedergerissener Mauern und einer von Paris inspirierten Stadtverwaltung.
Der Albtraum einer Holzstadt: Feuer
Das größte Problem des Istanbuls des 19. Jahrhunderts waren Brände. Fast alle Häuser in Galata und Umgebung waren hölzerne, villenartige Bauten mit Gärten, und ein einziger Funke konnte ganze Viertel auslöschen. Der große Brand von Pera im Jahr 1870 zerstörte nicht weniger als achttausend Gebäude. Nach dieser Katastrophe war die erste Priorität der Verwaltung eindeutig: Die Stadt musste zu Stein werden. Stein- und Mauerwerksbauten wurden gefördert; sie durften sogar mehr Stockwerke haben als Holzbauten, und die Gebühren für den Materialtransport wurden gesenkt. Das mehrstöckige Steingebäude — also das Mietshaus — entstand so als Kind der Notwendigkeit.
Eine von Paris inspirierte Stadtverwaltung
In denselben Jahren lernte Istanbul auch die moderne kommunale Verwaltung kennen. Durch die Reformen von 1857–58 wurde die Stadt in vierzehn Verwaltungsbezirke gegliedert; der erste, der seine Arbeit aufnahm, war Galata-Beyoğlu. Nach dem Vorbild des berühmten Pariser "Sixième Arrondissement" erhielt diese erste Stadtverwaltung den Namen Altıncı Daire-i Belediye — nicht, weil sie in der Reihenfolge die sechste war, sondern weil sie dem sechsten Arrondissement von Paris nacheiferte. Straßen wurden beleuchtet, neue Wege angelegt und das Viertel kartiert. Zugleich wurden die Mauern aus der genuesischen Zeit abgetragen; selbst 1853 wurden ihre Tore nachts geschlossen, und für die wachsende Stadt waren sie längst zu eng geworden. Von den Mauern sind heute nur noch Straßennamen wie Büyük Hendek und Küçük Hendek geblieben.
Eine neue Mittelschicht, ein neues Leben
Die Förderung von Steinbauten und die Kommunalreform allein hätten nicht genügt; was das Mietshaus wirklich hervorbrachte, waren die Menschen, die darin wohnen sollten. Mit dem wachsenden Handel des Osmanischen Reiches mit Europa ließen sich Banken, Eisenbahngesellschaften und Kaufleute in Galata nieder. Laut der Volkszählung von 1885 bestanden 47 Prozent der Bevölkerung von Pera, Galata und Tophane aus Ausländern. Diese neue Mittelschicht — Ärzte, Bankangestellte und Eisenbahnbeschäftigte — besaß keine Villen, wollte jedoch komfortabel leben. Eine Mietwohnung war genau das Richtige für sie. Das Bodengesetz von 1858, das Eigentum durch Grundbuchurkunden absicherte, veranlasste auch Grundstückseigentümer, Mietshäuser für regelmäßige Mieteinnahmen errichten zu lassen.
Das Mietshaus war nicht nur ein Gebäudetyp; es war ein Bekenntnis zu einer Lebensweise. Während das traditionelle osmanische Haus auf Privatsphäre ausgerichtet war, stand das Mietshaus mit seinen gemeinsamen Treppen und Nachbarn Tür an Tür für ein westliches und öffentliches Leben.
Die ersten Beispiele stehen noch heute
Die beiden bedeutendsten Zeugen dieser Veränderung stehen noch immer an ihrem Platz: das damalige Helbig, heute Doğan Apartmanı genannt — und die 1892–93 errichteten Barnathan Apartments. Das eine mit seinem Innenhof, das andere mit seinen freitragenden französischen Balkonen: Beide Gebäude bewahren die Architektur jenes ersten Jahrzehnts, in dem Istanbul das Wohnen im Mietshaus kennenlernte. Nachfolger wie die Bağdatlıyan Apartments setzten dieselbe Welle fort.
In Meroddi zu übernachten bedeutet auch, in dieser Geschichte zu wohnen: in den Straßen, in denen Istanbul das Wort "apartman" lernte, in den hohen Zimmern jener ersten Gebäude.
Quelle: "Barnathan Apartmanları" (Çiğdem Oğuz, Nar Yatırım, 2016). Wenn Sie in einem der ersten Mietshäuser übernachten möchten: Meroddi Barnathan →


