Die Barnathan-Apartments (1892-1893)
Über den beiden Eingängen des Barnathan stehen die Baujahre bis heute in Stein gemeißelt: über dem einen 1892, über dem anderen 1893 — daneben 5652 und 5654 nach jüdischem Kalender. Als eines der ersten Apartmenthäuser, die Ende des 19. Jahrhunderts in Galata entstanden, trägt das Haus nach dem Brauch der Zeit den Namen der Eigentümerfamilie: der sephardischen Familie Barnathan, die 1492 aus Spanien ins Osmanische Reich kam. Ihr Name bedeutet auf Hebräisch „Tochter des Propheten Nathan“; das Familienoberhaupt, der Bankier Nissim Barnathan (1827-1907), zählte zu den angesehenen und einflussreichen Persönlichkeiten Galatas.
Das Haus war als Mietwohnung für die neue Mittelschicht der Epoche gedacht; zu den ersten Bewohnern von 1892 gehörten Ärzte, Angestellte der Osmanischen Bank, Bankiers und Bedienstete der Orientalischen Eisenbahnen. Der auf Seide gezeichnete Originalplan von 1896 mit der Signatur des Ingenieurs Charles Maruletto wurde in der Familie von Generation zu Generation bewahrt und ist bis heute erhalten.
Die neoklassizistische Fassade ist mit barocken Details gearbeitet: Reliefs von Rosen, Trauben und Akanthusblättern an den Gewänden; Stufen aus Marmara-Marmor, Podeste aus italienischem Carrara-Stein; Decken von 3,40 Metern Höhe. Das unverwechselbarste Merkmal sind die klassischen französischen Balkone, die ohne jede Stütze aus dem Gebäude ragen — in Istanbul gibt es davon nur wenige Beispiele. Und ein Stadtgeheimnis: Der Tünel von 1875, die zweitälteste U-Bahn der Welt, verläuft direkt unter dem Barnathan.
Seit rund 130 Jahren an der Kreuzung von Galata und Pera stehend, lebt dieses Denkmal heute als Meroddi Barnathan weiter — mit derselben Sorgfalt gepflegt. Seine vollständige Geschichte ist im Buch „Barnathan Apartmanları“ (Çiğdem Oğuz, 2016) festgehalten, erschienen mit Unterstützung von Nar Yatırım.


































