Jeder, der den Galataturm betrachtet, sieht Stein. Doch wer etwas länger hinsieht, bemerkt noch etwas anderes: An seinen Mauern herrscht ständige Bewegung. Der Turm ist nicht nur ein Denkmal — er ist auch das Zuhause Tausender Vögel.
Nester im Stein
In den Hohlräumen und Nestern der Turmmauern leben Tausende segler- und schwalbenartige Vögel. Sie sind keine Gäste, sondern Bewohner: Seit Generationen nisten sie im selben Stein und ziehen dort ihre Jungen auf. Manche Menschen im Viertel haben diese Vögel jahrelang beobachtet und sogar Bücher über sie geschrieben.
Es ist ein seltsamer Gedanke: Dieses Bauwerk, das 1348 als Wachturm errichtet wurde und später als Gefängnis, Observatorium und Feuerturm diente, ist zugleich ein ununterbrochenes Refugium für Wildtiere. Das meistfotografierte Bauwerk der Stadt ist auch ihr bevölkertstes Vogelhaus.
Zwei Entscheidungen
In der Geschichte dieser Vögel gibt es zwei Momente, die beide das Herz erwärmen.
Der erste: Als das für die Reinigung der Turmmauern errichtete Gerüst mit einem Netz verkleidet wurde, konnten die Muttervögel ihre Nester nicht erreichen und die Jungen nicht versorgen. Als man die Situation bemerkte, wurde die Reinigung aufgegeben.
Der zweite: Jahre später wurde für eine Restaurierung ein Gerüst rund um den gesamten Turm errichtet. Dann stellte man fest, dass Brutzeit war. Das Gerüst wurde abgebaut und die Restaurierung unterbrochen. Die Nester hätten mit Mörtel verschlossen werden können; sie wurden es nicht.
Dass eine Stadt Gerüste im Wert von Tausenden Lira für ihre eigenen Vögel abbaut, mag wie eine kleine Nachricht erscheinen. Für uns ist es jedoch die Art von Entscheidung, die den Charakter eines Viertels am besten beschreibt: Während hier Geschichte bewahrt wird, werden auch jene berücksichtigt, die in ihr leben.
Die Tauben von Barnathan
Dieselbe Gewohnheit beobachten wir auch an unserem eigenen Gebäude. Seit dem Bau im Jahr 1892 nisten Tauben auf den Gesimsen von Barnathan Apartmanları. Der Straßenname änderte sich, die Eigentümer wechselten, das Wohnhaus wurde restauriert — die Tauben blieben.
Vielleicht erkennen wir eher an den Vögeln als an den Menschen, dass ein Gebäude wirklich „heimisch geworden“ ist.
Beim Hinschauen
Wenn Sie das nächste Mal anstehen, um den Turm zu besteigen, schauen Sie während des Wartens nach oben: Sie werden Vögel sehen, die in die Mauern hinein- und aus ihnen herausfliegen. Für sie ist siebenhundert Jahre alter Stein nur ein Felsstück; und doch sind sie seine treuesten Mieter.
Quelle: Meroddi-Archiv und Beobachtungen aus dem Viertel.



